Work-Life-Balance für Selbstständige – kann das gehen?

Braucht es für Selbstständige eine bessere Work-Life-Balance, um allem gerecht zu werden?

Selbstständige sind ständig gefordert, alle möglichen Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Das Tagesgeschäft muss laufen, das Unternehmen vorangebracht, Probleme müssen gelöst und neue Chancen aufgetan werden. Zudem heißt es, fit zu bleiben, sich um Familie, Haus und Hof zu kümmern sowie Freunde und Hobbies zu pflegen. Da kann es zeitlich ganz schön eng werden und die Ausgewogenheit auf der Strecke bleiben.

Kann eine ausgewogenere Work-Life-Balance da helfen? Dieser Frage gehe ich im folgenden Blogartikel nach.

Was ist eigentlich eine Work-Life-Balance?

Das Konzept der „Work-Life-Balance“ bezeichnet einen Zustand, in dem Arbeits- und Privatleben in Einklang sind.

Vielfach geht es dabei um eine zeitliche Verschiebung hin zum Privatleben. Diese soll die Work-Life-Balance (wieder-)herstellen. Das entspringt einer Vorstellung, in der die Lebensbereiche als scharf getrennt und unabhängig voneinander betrachtet werden. Diese Sicht auf die Work-Life-Balance wird als Segmentierungsmodell bezeichnet.

Andere Work-Life-Balance-Modelle gehen davon aus, dass Wechselbeziehungen zwischen den Lebensbereichen bestehen. Die Idee dahinter: Defizite in einem Bereich können durch den oder die anderen Bereiche ausgeglichen werden. Hier spricht man von Kompensationsmodellen. Läuft es also beispielsweise im Job gerade nicht so gut, kann ein erfülltes Privatleben das auffangen.

Das Konzept der Work-Life-Balance hat insbesondere in der Personalpolitik einen hohen Stellenwert erhalten. So wird im Hinblick auf den Fachkräftemangel mit Gleitzeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einer Ausrichtung auf Work-Life-Balance um Mitarbeitende gebuhlt. Die Work-Life-Balance wurde damit sogar zum Wettbewerbsfaktor hochstilisiert.

Es scheint zumindest für Angestellte sehr attraktiv zu sein. Stellt sich also die Frage, ob eine Work-Life-Balance ein Allheilmittel für unser aller Zeitnot sein und somit auch auf Selbstständige übertragen werden könnte?

Passt das Konzept der Work-Life-Balance für Selbstständige?

Die kurze Antwort: nein! Tatsächlich passt – aus meiner Sicht – das Work-Life-Balance-Konzept in seiner engen Auffassung noch nicht einmal auf Privatpersonen.

Die enge Sichtweise, bei der scharf zwischen den verschiedenen Lebensbereichen getrennt wird, hatte im Industriezeitalter möglicherweise noch ihre Berechtigung. Jetzt passt die Work-Life-Balance ganz allgemein nicht mehr in unsere heutige Zeit.

Was genau passt nicht? – Prinzipiell beinhalten alle Modelle zur Work-Life-Balance die Idee, die verschiedenen Lebensaspekte stünden in Konkurrenz.

Noch etwas Wesentliches bleibt beim Kompensationsgedanken unberücksichtigt: Eine Unzufriedenheit, in welchem Bereich auch immer, wirkt sich natürlich auf den Menschen und damit auch auf die anderen Bereich aus. Bei der Work-Life-Balance geht es nicht um reine Mathematik, bei der -1 und +2 in der Summe +1 ergibt.

Wäre dies der Fall, dann würde sich eine ausgeglichene Work-Life-Balance in der Praxis in etwa wie folgt darstellen:

Im Business läuft es momentan mies. Wir haben einen riesigen Bock geschossen und ein Kunde ist super sauer. Noch ist keine Lösung in Sicht. Zum Glück naht der Feierabend und ich gehe zu einer Verabredung mit Freunden. Wir haben einen ausgelassenen, lustigen Abend. Später im Bett sind die Sorgen wie weggeblasen und ich schlafe selig und zufrieden ein.

Auch wenn ich die Situation etwas überzeichnet habe, wird klar: Work-Life-Balance funktioniert so nicht! Sehr wahrscheinlich hätte ich die Verabredung abgesagt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Zudem würde ein Umschalten von dem einen in den anderen Bereich sicherlich nicht auf die dargestellte Weise gelingen.

Hieraus wird klar, von tatsächlicher Kompensation kann bei Work-Life-Balance nicht die Rede sein. Wenn uns in einem Lebensbereich Sorgen, Ängste oder Unzufriedenheit plagen, wirkt sich dies auf alle anderen Bereiche aus. Denn es macht etwas mit uns und dies tragen wir in die anderen Bereiche hinein.

Selbstverständlich gilt dies auch umgekehrt: Wenn es uns in einem Bereich sehr gut geht, gibt uns das Kraft, mit Ärgernissen in einem anderen Bereich umzugehen. Viel ungünstiger wäre es, wenn es in zwei oder gar drei Bereichen schlecht laufen würde.

Verstricken wir uns aber nicht in dieser Betrachtung. Denn aus einem viel wesentlicheren Grund passt das Modell der Work-Life-Balance für Selbstständige nicht.

Ihre Selbstständigkeit ist kein Mantel, den Sie überstreifen und auch wieder ablegen. Es ist ein innerer Auftrag, eine Leidenschaft, eine Berufung, die ein Teil von Ihnen ist. Da lassen sich verschiedene Lebensbereiche nicht wirklich trennen.

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Wenn eine bessere Work-Life-Balance nicht die Lösung ist – was brauchen Selbstständige stattdessen?

Wenn das Konzept der Work-Life-Balance für Selbstständige folglich nicht passt, wie kann der Wunsch nach Zufriedenheit und Ausgeglichenheit dann erreicht werden?

Hierfür sind drei Aspekte notwendig:

  1. Die Orientierung an den eigenen Zielen
  2. Eine gute Selbstfürsorge
  3. Struktur

1. Orientierung an den eigenen Zielen

Unsere heutige, schnelllebige und von Reizen überflutete Zeit bietet so unendlich viele Möglichkeiten, dass es manchmal schwer ist, sich zu fokussieren. Vieles scheint interessant und ständig gibt es Neues zu entdecken. Hier liegen enorme Zeitfresser-Fallen.

Aus diesem Grund ist es hilfreich, Klarheit über die eigenen Ziele zu besitzen. Diese weisen Ihnen Ihre Richtung und geben Ihnen Orientierung.

Sofern Sie Ihre Ziele klar definiert haben, können Sie Ihre Entscheidungen an ihnen ausrichten. Sie helfen Ihnen zudem, gut auszuwählen und zu manchen Dingen „nein“ zu sagen.

Wie definieren Sie nun Ihre Ziele? – Ein sehr einfacher Weg ist der Soll-Ist-Vergleich in den verschiedenen Bereichen.

Legen Sie dazu einfach Ihre relevanten Bereiche fest. Das sind deutlich mehr als die beiden im Rahmen der Work-Life-Balance vorgesehenen, z. B. Business allgemein, Team, Aufgaben und Projekte, Finanzielles und vergessen Sie dabei nicht die Felder Familie/Beziehungen, Körper/Gesundheit, Inspiration …

Fragen Sie sich dann im nächsten Schritt, wie es Ihnen in dem jeweiligen Bereich geht bzw. wo Sie in dem Bereich stehen.

Dann legen Sie fest, wo Sie in jedem Bereich hin möchten. Im letzten Schritt definieren Sie, was das genau ausmacht oder wie das genau aussehen soll. Damit sind Sie bei Ihren Zielen angelangt.

Wichtig ist nun, Ihre Ziele im Bewusstsein zu halten. Dann wird aus der Work-Life-Balance eine allgemeine Lebens-Balance.

2. Eine gute Selbstfürsorge

Damit Sie dafür sorgen können, dass es Ihnen gut geht und Sie eine Zufriedenheit und Ausgeglichenheit erreichen können, ist es erforderlich, zu wissen, was Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse sind.

Denn wir alle benötigen etwas anderes zum Wohlbefinden. Die einen brauchen dafür Aufregung und Abenteuer, die anderen Ruhe und Natur und wieder andere viele Menschen und viel Leben um sich.

Eine gute Selbstfürsorge bedeutet, 1.) die eigenen Bedürfnisse zu kennen und 2.) dafür zu sorgen, dass diese in ausreichendem Maß erfüllt werden. Hierzu gehört es also, sie zu priorisieren.

Die erste Voraussetzung ist bei den meisten Selbstständigen grundsätzlich gegeben. Auch Sie wissen sehr wahrscheinlich, was Ihnen gut tut, wie und wobei Sie Kraft tanken.

Die zweite Voraussetzung zu erfüllen, scheint schon schwieriger. Interessanterweise geraten viele Selbstständige hier tatsächlich in das Work-Life-Balance-Denken. Sie trennen für die Selbstfürsorge gedanklich die Zeiten, die sie in ihrem Unternehmen verbringen und die Freizeit. Dahinter steckt die Idee, nur in der Freizeit sei Kraft-Tanken möglich.

Ganz falsch ist das selbstverständlich nicht. Wir brauchen auch klare Brüche und Zeiten, in denen wir nicht arbeiten.

Jedoch gehört zur Selbstfürsorge ebenso, unseren Arbeitsalltag an unsere Bedürfnisse anzupassen. Das ist dann eher eine Work-Self-Balance als eine Work-Life-Balance.

Fragen dazu können lauten:

  • Entsprechen die Aufgaben, mit denen Sie sich den Großteil Ihrer Zeit beschäftigen, Ihren Fähigkeiten und Interessen? Sind Sie ausreichend oft im Flow?

  • Sind Ihre Arbeitsbeziehungen energiespendend und konstruktiv oder rauben sie eher Energie und sind belastend?

  • Fühlen Sie sich in der Umgebung wohl?

  • Passen Ihre Arbeitszeiten zu Ihrem Biorhythmus?

  • Haben Sie zwischendurch ausreichend Pausen und Bewegung?

  • Versorgt Sie Ihre Ernährungsweise über den Tag mit ausreichend Energie?

Oft sind es lediglich kleine Anpassungen, die bereits große Wirkungen entfalten können.

3. Struktur

Eine gute Struktur ist die Basis, um den Fokus auf die eigenen Ziele zu halten sowie insgesamt Zeitfresser zu eliminieren. Denn ohne Struktur und damit ohne einen Plan, werden Sie verplant.

Unser Alltag ist sehr viel komplexer geworden. Denken Sie alleine an Ihre E-Mails. Wenn wir nicht aufpassen, können wir locker den ganzen Tag mit unseren Mails zubringen.

Eine Struktur zeigt Ihnen auf, was darüber hinaus noch ansteht und wie viel Zeit Ihnen insgesamt zur Verfügung steht. Anstelle der traditionellen Work-Life-Balance verfolgen Sie hier eine individuelle Zeit-Ziel-Balance.

Ein sehr einfaches Mittel zum Aufbau einer Struktur ist eine Wochenplanung. Eine reine To-do-Liste wäre es nicht, da hier keine zeitliche Planung integriert ist.

Eine Struktur kann auch eine Kombination aus einer zeitlichen Planung und einem Ablagesystem bedeuten. Eine Struktur kann jedoch auch ein komplexes Projektmanagement-System sein oder ein kompletter Kernprozessablauf.

Es existiert also nicht nur das eine System.

Welches System für Ihre Bedürfnisse und Ziele das passende ist, ist eine individuelle Frage. Allerdings steht fest, dass die Entwicklung eines Systems Zeit braucht. In der Regel sitzt ein System nicht direkt, sondern muss angepasst und optimiert werden. Zudem erfordert es ein konsequentes Umsetzen.

Zeitgemäße Alternative zur Work-Life-Balance

Sie sehen also: Die drei Aspekte greifen ineinander und bedingen sich gegenseitig. Sie sind aus meiner Sicht Voraussetzung, um zu einer „persönlichen Balance” zu gelangen. Dies ist vielleicht ein passenderer Begriff für Selbstständige als die veraltete Work-Life-Balance.

Wünschen Sie sich Unterstützung beim Aufbau Ihrer individuellen Balance?

Dann kontaktieren Sie mich:

Marloes Göke | Beratung unternehmen.
+49 (0)5921/ 30 854 30
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