Die häufigsten Führungsfehler – oder: Wie Sie Ihr Team zu mehr Eigenverantwortung bringen

Führung ist eine gleichermaßen schöne wie herausfordernde Aufgabe – wenn man ein paar typische Führungsfehler überwindet. Oft werde ich in diesem Zusammenhang gefragt, was denn „der richtige Führungsstil“ ist. Und darin spiegelt sich für mich ein grundlegendes Problem in Bezug auf das Thema wider: Es existiert unglaublich viel Unsicherheit!

Das führt zu Führungsfehlern – die sich jedoch leicht vermeiden lassen, wenn man sie kennt.

Während ein kooperativer Ansatz vor 20 Jahren niemanden interessiert hat und weiter autoritär der Wille des Chefs durchgesetzt wurde, herrscht aktuell eine große Angst vor, etwas falsch zu machen vor. Diese blockiert und führt dazu, dass zum Teil gar nicht geführt wird.

In der Tat kann man in einige Führungsfallen laufen. Glücklicherweise stellt man jedoch sehr zeitnah fest, wenn dies geschieht. Außerdem ist Führung sehr logisch. Es ist irgendwie wie Mathe oder Physik. Es lässt sich auf den gemeinsamen Nenner von „Ursache und Wirkung“ oder auch „Reaktion und Gegenreaktion“ reduzieren.

Dieser Blogbeitrag soll also ein Plädoyer für Führung sein. Denn Führung macht Spaß und ist eine tolle Aufgabe, wenn man ein paar Kniffe verstanden hat.

Diese möchte ich Ihnen im Folgenden verraten.

Was bedeutet eigentlich Führung?

Ich habe Führung nicht in der Uni gelernt, sondern beim Führen. Im BWL-Hauptstudium habe ich als Vertiefung Personal und Führung belegt und dennoch nichts über Führung gelernt.

Das lag nicht daran, dass man viele Dinge erst nach der Uni beim Anwenden im Job lernt, was zweifelsfrei so ist. Es lag daran, dass es in diesem Seminar gar nicht um Führung ging. Es ging im Grunde um Management. Und im Rückblick ging es bei allen Themen im Kern um Management und nicht um Führung.

Und hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied. Die gesamte Management-Literatur hat nichts mit der Führung eines Unternehmens zu tun. Das ist im Grunde auch klar, es heißt ja auch Management und nicht Führung.

Selbst der große Management-Vordenker Peter F. Drucker hat es bereits 1967 sehr klar ausgedrückt: „Manager haben dafür zu sorgen, dass die Schwerpunkte unternehmerischen Handelns angemessen gesetzt werden.“

Es besteht also ein großer Unterschied zwischen Führung und Management. Mit Führung in diesem Sinne ist Leadership gemeint.

Nach John P. Kotter besteht die Aufgabe des Leaderships darin, die Richtung festzulegen, das Team auszurichten, zu motivieren und zu inspirieren.

Hingegen liegt die Aufgabe des Managements in Planung und Budgetierung, in Organisation und Personalbeschaffung sowie in Controlling und Problemlösung (John P. Kotter: Leading Change).

In der Regel vereinen Selbstständige beide Rollen. Es ist deswegen wichtig, sich bewusst zu machen, dass die beiden Rollen eine unterschiedliche Ausrichtung haben. Dann ist es leichter, beide gleichermaßen zu erfüllen – und weniger Führungsfehler zu machen.

Die sechs häufigsten Führungsfehler

Die Zahl sechs habe ich willkürlich gewählt. Sie ist irgendwie magisch, ansonsten hat sie keine Bewandtnis. Denn vermutlich kann man auch auf neun oder 17 Führungsfehler kommen.

Schauen wir uns aber nun diese sechs Führungsfehler an:

1. Führungsfehler: niemanden direkt ansprechen

Ich möchte mit der Führungsfalle beginnen, in die ich in meiner ersten Führungsaufgabe getappt bin.

Zu dem Zeitpunkt war ich Anfang zwanzig. Wahrscheinlich sind sehr viele über einen ähnlichen Weg zu ihrer Führungsrolle gekommen, wie ich damals: Ich war ganz gut in meiner Tätigkeit. Mein Vorgänger hat sich kurzfristig aus dem Unternehmen verabschiedet und es musste schnell eine Nachfolge her. Also sprach mich mein Chef an, ob ich mir das vorstellen könnte.

Natürlich konnte ich mir das vorstellen. Ich hatte allerdings nicht die blasseste Ahnung von Führung.

Da ich neu war und total kooperativ sein wollte, habe ich immer in „wir“ gesprochen: „Wir sollten das so und so machen.“ – „Das müssen wir noch mal überarbeiten“ – „Wir müssen dafür sorgen, dass, …“

Leider ist dann nichts passiert und ich habe mich gefragt warum.

Die Lektion habe ich schnell gelernt: Richten Sie Ihren Auftrag ganz konkret an die Person, die ihn umsetzen soll. Sprechen Sie diese Person direkt an.

Das ist nicht unhöflich oder verletzend. Möglicherweise ist es ungewohnt. Es sorgt aber für Klarheit und gibt Orientierung. Und beide Aspekte sind in Bezug auf Führung wichtig.

Vermeiden Sie also insgesamt eine indirekte Kommunikation.

2. Führungsfehler: auf Kumpel machen oder Lieblinge haben

Dieser Führungsfehler schließt sich an den vorherigen an und ist insbesondere bei jungen Führungspersonen verbreitet. Oft haben diese eine autoritär agierende Führungskraft erlebt und wollen es unbedingt anders machen. Sie sind überzeugt, dass man das auch netter rüberbringen kann.

Kann man! Allerdings darf wertschätzende Kommunikation und Führung nicht mit Konfrontationsvermeidung verwechselt werden.

Die Kumpel-Falle hält Sie davon ab, in die Konfrontation zu gehen und unangenehme Dinge anzusprechen. Dann schaut man lieber über etwas hinweg und redet es sich schön mit „So schlimm war es ja auch nicht.“

In der Regel bleibt es nicht bei der einen Kleinigkeit, sondern es kommt eine zweite und dritte hinzu. Und so entwickelt sich ganz unterschwellig ein innerer Konflikt. Anfangs unbemerkt, dann immer drängender.

Im ungünstigsten Fall platzt es dann irgendwann aus Ihnen heraus und die Person ist völlig irritiert, weil doch alles in Ordnung zu sein schien.

Wenn Sie etwas wollen oder sich wünschen, ist es unabdingbar, dies klar zu kommunizieren. Nichts mit durch die Blume oder von den Augen ablesen oder sie werden es schon merken. Nein. Sagen. Punkt!

Selbstverständlich sollen Sie keine Befehle geben, aber formulieren Sie eindeutig was Sie von der anderen Person möchten und was nicht.

Der kleine Bruder von der Kumpel-Falle ist die Bevorzugungs-Falle.

Als Führungsperson fühlt man sich manchmal einsam. Falls es dann eine Person im Team gibt, die man gut kennt, kann es passieren, das man sich mit ihr über das Team oder einzelne Teammitglieder austauscht.

Durch diesen Führungsfehler landen Sie in Teufels Küche! Sie bringen diese Person und auch sich in einen Rollenkonflikt. Die Grenzen verschwimmen. Zudem fallen Sie der Person, über die Sie sprechen in den Rücken.

Dieses Verhalten ist das Gegenteil von Integrität. Es ist allerdings höchst menschlich!

Suchen Sie sich also stattdessen Gleichgesinnte oder Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen und tauschen Sie sich mit diesen aus.

Das ist wichtig, um als Führungsperson zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

3. Führungsfehler: kein klares Ziel vorgeben

Führung bedeutet die Richtung festzulegen und das Team auszurichten.

Ohne dabei ein Ziel vorzugeben kann das leider nicht funktionieren. Wenn Sie diesen Führungsfehler machen, können alle anderen lediglich hinter ihnen herdackeln.

Um Ihr Team zu Eigenständigkeit zu befähigen, muss es genau wissen, wo Sie hin wollen und was Sie möchten, dass jeder und jede genau dazu beitragen soll.

Wenn wir im Rahmen der Beratung auf dieses Thema zu sprechen kommen, reagieren viele Selbstständige mit einem Stirnrunzeln und einem: „Das ist doch klar!?“

Wenn ich dann sage: „Prima. Wie genau lautet Dein Unternehmensziel?“ kommen sie jedoch in der Regel ins Stocken.

Das liegt daran, dass das Ziel zwar im Kopf vorhanden ist, aber noch nicht konkret formuliert wurde. Es wirklich schriftlich zu Papier zu bringen bedeutet nämlich spezifisch zu werden. Dann sind wir gefordert ganz genau zu formulieren.

Machen Sie sich also die Mühe und formulieren Sie Ihr Unternehmensziel schriftlich. Nehmen Sie sich dafür ruhig etwas Zeit. Fangen Sie an, lassen Sie es liegen und reifen und feilen Sie immer wieder daran, bis es passt.

Nehmen Sie dann im Führungsalltag immer wieder Bezug dazu, damit es auch im Team verinnerlicht werden kann.

4. Führungsfehler: in Mikromanagement oder Kontrollwahn verfallen

Unternehmensinhaber und Selbstständige sind es gewohnt, die Dinge alleine zu regeln. Und so kann es vorkommen, dass es zu unserer zweiten Natur wird, überall mitzumischen und über alles Bescheid wissen zu wollen.

In einem gewissen Rahmen ist das auch in Ordnung. Nur übertreiben Sie es nicht!

Denn mit diesem Führungsfehler lähmen Sie Ihr Team und signalisieren unterschwellig, dass Sie ihnen nicht vertrauen.

Drehen Sie es um und lassen Sie sich in regelmäßigen Austauschmeetings auf den aktuellen Stand bringen. Ziehen Sie also nicht ständig an Ihrem Team, sondern lassen Sie sie kommen.

Falls dann etwas nicht so läuft, wie Sie es sich wünschen, korrigieren Sie die Richtung und erläutern Sie (im Kontext Ihres Unternehmensziels) wie Sie es gerne stattdessen hätten.

Schauen Sie hierzu auch in den Blogartikel „So kriegen Sie Ihren Kontrollwahn in den Griff“.

5. Führungsfehler: keine Zeit für Führung

Die Basis von Führung ist der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung. Und das kann ich nicht mal eben dazwischen schieben.

Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Führungszeit ein Investment ist in Ihr Unternehmenswachstum. Denn wenn Ihr Team gut und in die richtige Richtung läuft, können Sie sich mit der Weiterentwicklung Ihres Unternehmens beschäftigen.

Diese Zeit ist also sehr gut angelegt.

Und je eher Sie diese Zeit investieren, desto besser. Sprich, wenn Sie direkt bei einer Neueinstellung Ihre Hausaufgaben machen und der Person gut vermitteln, was Sie von ihr erwarten, wie es bei Ihnen im Unternehmen läuft und was genau ihr Beitrag zum großen Ganzen ist, müssen sie gar nicht so oft korrigierend eingreifen.

6. Führungsfehler: die falsche Person einstellen

Wie oft haben Sie schon gedacht: „Bei dem oder der hatte ich von Anfang an so ein komisches Gefühl.“?

Wenn es um das Thema Führungsfehler geht, erlebe ich dies immer wieder. Dann erwidere ich: „Ist ja interessant! Aus welchem Grund hast Du die Person dann eingestellt?“ Eine häufige Antwort: „Ich hatte keine andere Wahl.“

Ich nehme an, ich muss nicht weiter bohren … Ach ich tu es trotzdem: „An wem liegt es denn dann, dass es nicht funktioniert?“ Yap!

Wie soll das gut gehen? Wenn Sie eine Beziehung mit einer Person eingehen, egal ob beruflich oder privat, die eigentlich nicht passt, endet das nicht gut. Es wird nicht klappen. Nie, nie, nie.

Wir können uns die Menschen weder schön reden noch zurechtbiegen. Sie sind, wie sie sind und entweder es passt oder eben nicht. Und wenn es nicht passt, ist es ratsam, sie ziehen zu lassen. Sie passen sicher in ein anderes Unternehmen.

Mir ist durchaus bewusst, dass sich der Arbeitsmarkt verändert hat. Und aus diesem Grund ist es notwendig, dass wir auch unsere Herangehensweise was Personal-Recruitment angeht ändern.

Aus meiner Sicht ist es notwendig, den Trichter permanent offen zu halten und nach möglichen Teammitgliedern Ausschau zu halten, bevor wir sie brauchen.

Ja, es herrscht Fachkräftemangel. Passen Sie aber bitte auf, dass das nicht zu Ihrer inneren Überzeugung wird! Denn trotz des Fachkräftemangels begegnen mir tagtäglich hervorragende Kräfte, die engagiert ihren Job machen jedoch unglücklich darin sind.

Möglicherweise braucht es lediglich ein anderes Herangehen.

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Nehmen Sie sich auch hier Zeit und wählen Sie sorgfältig aus! Ansonsten rächt sich dieser Führungsfehler.

Und falls Sie ganz dringend Unterstützung benötigen gibt es mittlerweile eine Reihe (virtueller) Dienstleister für alle möglichen Bereiche. Das könnte möglicherweise eine Durststrecke überbrücken.

Enden möchte ich mit einem Zitat von Franklin D. Roosevelt:„A smooth sea never made a skilled sailor.“

In diesem Sinne: Nehmen Sie die Herausforderung an!  

Sie wünschen sich eine persönliche Reflexion in der Führung? Dann kontaktieren Sie mich.

Marloes Göke | Beratung unternehmen.
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